Anwendung (FAQ)

Wann wird Iontopherese angewendet?

Das Verfahren wird bei übermäßigem, krankhaftem Schwitzen an den Händen (Hyperhidrosis palmaris), den Füßen (Hyperhidrosis plantaris), unter den Achseln (Hyperhidrosis axillaris) und vereinzelt auch an anderen Körperstellen eingesetzt. Die Diagnose der Hyperhidrosis erfolgt durch einen Hautarzt (Dermatologen). Dieser kann die Iontophorese in Form von Therapiesitzungen in der Praxis verordnen – später ggf. die speziellen Gerätschaften für eine Heimanwendung verschreiben.

Hinweise zur Hyperhidrose-Diagnostik: Im Rahmen der Diagnostik stehen mehrere qualitative und quantitative Test-Methoden, die vornehmlich Ausmaß und Lokalisation der Hyperhidrose ermitteln, zur Verfügung. Während qualitative Testmethoden die Stellen nachweisen, an denen eine verstärkte Schweißproduktion auftritt, kann durch quantitative Messverfahren die Schweißmenge pro Zeitintervall festgestellt werden. Diese objektiven Testverfahren helfen dem behandelnden Arzt – zusammen mit einer eingehenden Anamnese (neben dem subjektiven Empfinden auch die Familienanamnese) den Grad der Hyperhidrose zu ermitteln sowie geeignete Therapien auszuwählen. [1]

  • Jod-Stärke-Test (auch Minor-Test): Der Minor-Test ermöglicht eine farbliche Abgrenzung der betroffenen Körperstelle mithilfe einer speziellen Jod-Lösung: Potentiell betroffene Hautareale werden damit eingepinselt und anschließend mit Stärkepulver bestäubt. Bereiche, an denen eine übermäßige Schweißproduktion auftritt, färben sich braun. [1]
  • Gravimetrie: Hierbei wird ein spezielles Papier für einen bestimmten Zeitraum auf das betroffene Hautareal aufgebracht. Durch eine Differenzmessung des Gewichts des Test-Papiers vorher und nachher, kann so die Schweißmenge pro Zeiteinheit ermittelt werden. [1]

Wer kann Iontopherese anwenden?

Bei einer diagnostizierten Hyperhidrosis kann die Iontophorese ohne Altersbeschränkung eingesetzt werden. Obwohl hierbei mit Strom und Wasser gearbeitet wird, ist die Therapie völlig ungefährlich und bei richtiger Anwendung schmerzfrei. Somit ist sie auch für empfindliche Patienten, Kinder und ältere Menschen geeignet. Allerdings gestaltet sich eine sachgemäße Anwendung bei Kindern unter 6 Jahren oft schwierig, da sie die praktischen Anweisungen kaum begreifen können. Natürlich fällt es ihnen auch nicht leicht, während der Behandlungszeit stillzuhalten. Unerlässlich ist in jedem Alter die Einweisung durch einen Hautarzt und die anschließend richtige Bedienung. Moderne Iontophorese-Geräte verfügen über in Microchips abgespeicherte Behandlungsabläufe, damit eine Fehlbedienung ausgeschlossen ist.

Die Plattenelektroden, welche in die Wannenbäder gelegt werden um den Strom einzuleiten, sind heutzutage aus nickelfreiem Material gefertig. Daher ist die Iontophorese auch für entsprechende Allergiker geeignet. Für Anwender mit einer Chromallergie gibt es Elektroden aus Aluminium.

Nicht behandelt werden dürfen jedoch:

  • Patienten/innen mit Herzschrittmachern (HSM, Pacemaker)
  • Patientinnen während der Schwangerschaft
  • Patienten/innen mit Metallimplantaten an/in den zu behandelnden Armen/Beinen (Knochennägel, Endoprothesen)
  • Patientinnen mit Metall-Pessaren (Diaphragmen)
  • Patienten/innen mit Osteoporose oder Osteomalazie, da ein sog. Periostschmerz auftreten kann
  • großflächige Wunden oder Verletzungen der Haut, die sich nicht abdecken lassen
  • Patienten/innen mit chronischen Hautkrankheiten, Schrunden, Hautausschlag etc.

Wo und wie wird Iontophorese angewendet?

Mit dem Iontophorese-Verfahren können Hände, Füße und die Achselhöhlen, in Ausnahmefällen auch andere Körperregionen, behandelt werden.

Meistens verordnet der behandelnde Hautarzt 10 bis 15 Therapiesitzungen in der eigenen Praxis. Täglich oder mehrmals die Woche tauchen dabei die Patienten die betroffenen Körperbereiche vor Ort in zwei mit Leitungswasser gefüllte Plastikwannen ein, in welche dann ein langsam gesteigerter Schwachstrom (Galvanobad) geleitet wird. Für die Behandlung der Achselhöhlen werden feuchte Schwämme mit daran befestigten Elektroden unter die Arme geklemmt.

Die Anwendung dauert ca. 10 Minuten. Sie ist ungefährlich und schmerzfrei, lediglich ein Kribbeln sowie leichtes Muskelziehen können zeitweise auftreten. Wichtig ist eine stets sachgemäße Anwendung – zunächst unter Aufsicht, später gemäß Anleitung – damit es trotz der ungefährlichen Niedrigspannung von max. 60 Volt (Stromfluss von ca. 10 – 30 mA) nicht zu einem unangenehmen Stromschlag (“Weidezauneffekt”) kommen kann. Für sehr sensible Patienten, die selbst diesen Schwachstrom als unangenehm empfinden, gibt es Therapie-Geräte, die anstatt des Gleichstroms einen Pulsstrom abgeben. Dieser ist noch verträglicher.

Zeigen sich nach der “Testphase” erste Erfolge, so kann der Arzt die Iontophorese-Geräte für eine langfristige Heimtherapie verschreiben. Dies erleichtert den Betroffenen eine regelmäßige Durchführung – unabhängig von Arztterminen und ohne lange Wartezeiten oder Anfahrten. Das “Heimgerät” besteht meistens aus 2 Wannen, 2 Elektroden für die Stromeinleitung und einem stufenlos regelbares Netzgerät. Selbstverständlich sind sämtliche Gerätschaften TÜV- und GS-geprüft, sie entsprechen damit allen aktuell geltenden Sicherheitsbestimmungen und gesetzlichen Normen.

Wie oft wird Iontophorese angewendet?

Die Behandlung muss sehr regelmäßig erfolgen, mindestens 3x pro Woche, im Optimalfall sogar 5x pro Woche. Sobald sich der gewünschte Heilungserfolg abzeichnet, kann die Therapie auf 1x pro Woche reduziert werden. Wichtig für einen nachhaltigen Erfolg ist die regelmäßige, langfristige Anwendung ohne längere Pausen. Im Vergleich zu alternativen Therapien gegen Schwitzen, ist eine Iontophorese sehr günstig. Dem einmaligen Anschaffungspreis stehen minimale Betriebskosten (äußerst geringer Wasser-und Stromverbrauch) auf sehr lange Zeit gegenüber.

Was sollte bei der Iontophorese beachtet werden?

Das Iontophorese-Verfahren ist einfach und ungefährlich. Deshalb darf es nach ärztlicher Einweisung auch in Eigenregie zu Hause durchgeführt werden.

Es ist jedoch darauf zu achten, dass

  • vor der Behandlung alle metallischen Gegenstände (Ringe, Armreifen, Uhren etc.) abgelegt werden
  • offene Hautstellen, Wunden, Verletzungen mit Vaseline (ggf. zusätzlich mit Plastern) abgedeckt werden
  • zuerst Hände oder Füße in das Wasserbad gelegt werden und erst dann die Stromstärke langsam gesteigert wird
  • der Strom vor dem Eintauchen der Hände oder Füße in das Wasser abgeschaltet ist
  • der Strom vor dem Herausziehen der Hände oder Füße aus dem Wasser abgeschaltet ist
  • bei Schmerzen die Behandlung sofort abzubrechen ist bzw. der zugeführte Strom heruntergeregelt wird
  • während der Behandlung kein Metall berührt wird
  • während des gesamten Anwendungszeitraumes auf die Benutzung von Antitranspirantien/Deodorants an den behandelten Stellen verzichtet wird

Welche Alternativen gibt es zur Iontophorese?

Obgleich das Verfahren der Iontophorese seit langem erfolgreich gegen starkes Schwitzen (Hyperhidrose) eingesetzt wird, kann es vorkommen, dass es bei vereinzelten Menschen nicht die gewünschte Wirkung entfaltet oder aus o.g. Gründen nicht angewendet werden kann. In diesem Fall wird der behandelnde Dermatologe alternative Behandlungsmöglichkeiten in Betracht ziehen.

Die einzige nicht-chirurgische, nicht-medizinische Alternative zur Iontophorese ist die Benutzung von Antitranspirantien. Diese Antitranspirante (auch Antiperspirante = Mittel gegen Schwitzen) enthalten Aluminiumsalze, welche die Ausgänge der Schweißdrüsen verengen, so dass deutlich weniger Schweiß austritt. Durch diesen physikalischen Effekt kann das hauptsächliche Symptom einer Hyperhidrose – das Schwitzen – meist auf ein normales Maß reduziert werden. Antitranspirante sind rezeptfreie Kosmetika, demnach keine Medikamente, welche die Krankheit selbst nicht heilen können.

Menschen mit empfindlicher Haut, die schon mit der Iontophorese Probleme hatten, sollten ausschließlich moderne Antitranspirante verwenden, welche hautverträgliche Pflanzenextrakte (z.B. Salbei, Nelkenblüte, Bartflechte) enthalten. Diese Mittel reizen die Haut deutlich weniger, was bei einer längerfristigen Benutzung sehr wichtig ist. Sanfte Mittel gegen Schwitzen erhalten Sie rezeptfrei im Internet. Der Preis für eine Flasche für eine 6-Monate-Behandlung liegt bei ca. 18,80 Euro (inkl. Versandkosten).

Weitere medizinische Behandlungsmöglichkeiten sind:[2]

  • chemische Denervierung mit Botulinumtoxin A (per Injektionen)[2]
  • systemische Therapie mit Antihidrotika oder Psychopharmaka (z.B. in Tablettenform)[2]
  • ultima ratio bei palmarer Hyperhidrose: operative thorakale Sympathektomie (Nervdurchtrennung)[2]
  • bei axillärer Hyperhidrose: chirurgische Schweißdrüsenentfernung (Absaugung, z.B. per Saugkürette)[2]

[1] [2] Quellennachweis: siehe http://de.wikipedia.org/wiki/hyperhidrose

TwitterMySpaceWordPressEmailPrintFriendlyShare